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Hans Reiser schuldig?

by Matthias Derer on April 29th, 2008

Hans Reiser wurde gestern von der Jury für schuldig empfunden. Er soll eine Frau getötet haben. Laut Verteidigung hat sich Frau Reiser nach Russland abgesetzt.

Ich war nicht bei den sechs Monaten der Gerichtsverhandlung anwesend, ich habe Hans Reiser nicht selbst erlebt und ich weiß nicht, ob er tatsächlich schuldig ist oder nicht. Aber dieses Urteil scheint mir doch ein wenig unbegründet.

Man muss sich vor Augen halten: Es gibt keine Leiche, es gibt kein Tatwerkzeug, es gibt keine Zeugen. Was es gibt, sind Vermutungen, Hans Reisers’ Verhalten vor Gericht und zwei Bücher über die Polizeiarbeit, die er sich zulegte, nachdem die Polizei anfing, ihn zu observieren.
Was hier als Schuldspruch im Raum steht ist geplanter Mord. Für “verdächtiges Verhalten” ein gewagtes Urteil.
Es kann durchaus sein, dass Hans Reiser seine Frau umgebracht hat. Aber für mich stehen einfach zu große Zweifel im Raum. Arrogantes Verhalten vor Gericht und sich einer Oberservierung entgegensetzen macht vielleicht am BILD-Zeitungs-Stammtisch den Verdächtigen zum Mörder. Aber vor Gericht?
Vielleicht fehlen mir wichtige Informationen, aber ich habe diesen Fall verfolgt und ich habe in der ganzen Zeit nur von Verdächtigungen gelesen. Einiges, was dort ans Licht kam, ist durchaus als verdächtig einzustufen. Aber es sind eben keine Beweise. Muss ich jetzt aufpassen, welche Literatur ich lese? Ist es womöglich doch ausreichend, dass ich meine E-Mails und IM-Kommunikation verschlüsselt übertrage, um mir in der geeigneten Situation vor Gericht einen Strick daraus zu drehen?

Es wird in vielen Berichten davon geredet, dass während Reisers Aussagen das Publikum und die Jury ihn belächelten und den Kopf schüttelten. “Über jeden Zweifel erhaben” klingt für mich anders. Das klingt nach Unverständniss und Vorurteil. Sowas darf in der Justiz nicht vorkommen.

Ich möchte mit dieser Aussage kein eigenes Urteil sprechen, oder gar behaupten, dass Hans Reiser unschuldig sei. Ich sage nur, dass es erschreckend ist, wie unkonformes und “verdächtiges” Verhalten mitterweile dazu ausreicht, des Mordes für schuldig gesprochen zu werden.
Beängstigend.

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Hans Reiser wurde gestern von der Jury für schuldig empfunden. Er soll eine Frau getötet haben. Laut Verteidigung hat sich Frau Reiser nach Russland abgesetzt.

Ich war nicht bei den sechs Monaten der Gerichtsverhandlung anwesend, ich habe Hans Reiser nicht selbst erlebt und ich weiß nicht, ob er tatsächlich schuldig ist oder nicht. Aber dieses Urteil scheint mir doch ein wenig unbegründet.

Man muss sich vor Augen halten: Es gibt keine Leiche, es gibt kein Tatwerkzeug, es gibt keine Zeugen. Was es gibt, sind Vermutungen, Hans Reisers’ Verhalten vor Gericht und zwei Bücher über die Polizeiarbeit, die er sich zulegte, nachdem die Polizei anfing, ihn zu observieren.
Was hier als Schuldspruch im Raum steht ist geplanter Mord. Für “verdächtiges Verhalten” ein gewagtes Urteil.
Es kann durchaus sein, dass Hans Reiser seine Frau umgebracht hat. Aber für mich stehen einfach zu große Zweifel im Raum. Arrogantes Verhalten vor Gericht und sich einer Oberservierung entgegensetzen macht vielleicht am BILD-Zeitungs-Stammtisch den Verdächtigen zum Mörder. Aber vor Gericht?
Vielleicht fehlen mir wichtige Informationen, aber ich habe diesen Fall verfolgt und ich habe in der ganzen Zeit nur von Verdächtigungen gelesen. Einiges, was dort ans Licht kam, ist durchaus als verdächtig einzustufen. Aber es sind eben keine Beweise. Muss ich jetzt aufpassen, welche Literatur ich lese? Ist es womöglich doch ausreichend, dass ich meine E-Mails und IM-Kommunikation verschlüsselt übertrage, um mir in der geeigneten Situation vor Gericht einen Strick daraus zu drehen?

Es wird in vielen Berichten davon geredet, dass während Reisers Aussagen das Publikum und die Jury ihn belächelten und den Kopf schüttelten. “Über jeden Zweifel erhaben” klingt für mich anders. Das klingt nach Unverständniss und Vorurteil. Sowas darf in der Justiz nicht vorkommen.

Ich möchte mit dieser Aussage kein eigenes Urteil sprechen, oder gar behaupten, dass Hans Reiser unschuldig sei. Ich sage nur, dass es erschreckend ist, wie unkonformes und “verdächtiges” Verhalten mitterweile dazu ausreicht, des Mordes für schuldig gesprochen zu werden.
Beängstigend.

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